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Tagebuch Bärentelemetrie November/Dezember 2006

Anfahrt 11. und 12. November:

Ich bin am 11.November Abends nach 20:00 auf dem Sonnenhof der Christa in Österreich angekommen. Unterwegs, mitten in München ist der Kühlerschlauch vom Renault geplatzt. Mit Hilfe einer Firma die Kühler baut, konnte ich ein Stück Ersatzschlauch zurechtschneiden und den kaputten Teil des alten Schlauches ersetzten. Es war fummelig aber es ging.

Am nächsten Morgen um 5.Uhr sind wir zusammen dann aufgebrochen bis nach Zarnesti. Wir kamen am Sonntag Abend gegen 20:30 an. Unterwegs in Rumänien habe ich die Pension für Christa organisiert. Ich selber habe im Burzental auf einer Wiese übernachtet. Mein Haus, dass ich sonst in Zarnesti miete wird derzeit mit einer Heizungsanlage umgebaut und so konnte ich es nicht nutzen. Eine Pension ist für mich für drei Wochen zu teuer, außerdem habe ich eine Ausrüstung dabei, mit der ich die ganzen folgenden 3-4 Wochen im freien campieren kann.

Montag 13. November

Gleich am morgen habe ich Christa abgeholt und zusammen sind wir zunächst ins Büro vom des Wildtiermanagement und Forschungsbüro nach Brasov gefahren. Wir haben die Telemetrieausrüstung geholt, meinen Computer dort abgestellt und besprochen welche Bären sich derzeit wo aufhalten und welche Frequenzen haben. Erst gegen 13:00 konnten wir los. Das waren die Informationen: 8 Bären mit Sender. 4 davon mit GPS Sender, 2 mit Ohrensender und 2 mit normalen Halsbandsender. 7 Bärinnen und ein Bär.

Eine menge Arbeit. 4 dieser Bären wurden in Racadau, in dem mittlerweile weltweit bekanntem Stadtteil von Brasov gefangen in dem Bären in den Müllcontainern sitzen und durch die Siedlung wandern.

Eine Bärin lebt abseits, sozusagen in der Wildnis, der männliche Bär besucht regelmäßig eine Müllhalde in der Nähe eines Dorfes und eine Bären lebt sozusagen in einem Tourismusgebiet bei Sinaia und wird dort offensichtlich von den Hotels gefüttert.

Wir haben erfahren, dass zwei der Bären aus Racadau abgewandert sind und die letzte Ortung vor ca. 2 Wochen im Persangebirge westlich von Brasov war. Das sind gute 20-40km Entfernung. Die ältere Bären heißt Elena und die jüngerer Bären mit zwei Jungtieren wurde Profa genannt.

Diese Information ist deswegen interessant, weil es sich um sogenannte Müllbären handelt, die jetzt im Herbst andere Nahrungsquellen aufsuchen. Ob es sich dabei um andere Nahrungsquellen in Form von Müll handelt oder natürliche Quellen sind ist derzeit ungeklärt. Es scheint jedenfalls, dass sie dort hinwandern wo es viele Bucheckern, Nüsse, Eicheln etc. gibt.

Gleichzeitig haben wir erfahren, das zwei weitere Bären aus einem 4 Pfoten Projekt besendert worden sind und wieder ausgesetzt wurden. Es handelt sich dabei um Bären die als Waisenkinder gefunden wurden und in einer Bärenstation möglichst menschenfern aufgezogen wurden. Der eine Bär ist über 200km in das Fagaras Gebirge gewandert, der zweite Bär offensichtlich über 200km nach Nordrumänien. Wir waren am Nachmittag auf der Suche nach dem ersten Bärin (Carbunarea) und haben sie auch gefunden. Da diese Bären ein GPS Sender hat war es einfach, da die Koordinaten auch regelmäßig über Satteliten empfangen werden.

Wir waren direkt unterhalb dieser Bären etwa 400m entfernt. Es wurde früh dunkel und mit Schneesturm mit eisigem Wind kam auf.

Dienstag 14.Nov

Wir haben uns heute auf die Suche nach Elena und Profa im Persan Gebirge gemacht. Dazu sind wir zunächst im Schnee-Regen auf einen Kamm hochgelaufen um eine Übersicht zu bekommen. Es lag etwas Schnee und auf halber Höhe waren dort recht frische Bärenspuren eines einzelnen Bären. Wir hatten kein Signal, auch auf dem Kamm nicht. Das bedeutet, dass wir jetzt mit dem Fahrzeug suchen gehen müssen, denn Elena kann ja nun überall stecken. Auf dem Weg haben wir noch kurz überprüft ob Carbunarea noch in ihrem Tal ist, was der Fall war. Insgesamt sind wir über 200km gefahren, einem um den gesamten Bereich herum, in dem Elena und Profa es letzte Mal geortet wurden. Ohne Erfolg. Am späten Nachmittag waren wir in Brasov, denn ich wollte nochmals genau wissen wann und wo ganz genau die letzten Ortungen waren. Als es um 17:30 dunkel wurde sind wir noch schnell nach Racadau gefahren, denn ich wollte wissen, ob wir die beiden Bären die sich dort noch aufhalten zumindest mit einem kurzen Pip im Empfänger hören können. Wir waren gegen 18:15 dort und haben einen Bären gesehen der durch den Wald ging und neben uns einen Müllcontainer inspiziert hat. Von Kirca, der jungen Bären in diesem Tal hatte ich kein Signal, aber von Corca.

Mittwoch 15. Nov

Heute wollten wir die Bären Kirca, Corca und Politestul finden. Corca, die Bäre mit dem GPS Sender haben wir sofort im Einzugsbereich von Racadau gefunden. Auf die GPS Bären möchte ich mich aber jetzt nicht konzentrieren. Kirca und Politestul haben Ohrensender die nur auf recht kurze Entfernung zu Orten sind. Das bedeutet unter halbwegs günstigen Bedingungen 2 km Reichweite. Das ist in einer bewaldeten Gebirgslandschaft sehr wenig.

Kurz und bündig, wir fanden nichts. Kein Pips kein Signal gar nichts. Am Abend haben wir an der Müllhalde gewartet, aber nicht sehr lang.

Donnerstag 16.Nov

Nochmals bin ich ins Büro, erstens wegen der Emails, zweitens weil ich erfahren habe, dass Kirca ihren Ohrsender verloren haben soll. Drittens weil um 11 Uhr Gabriel aus Wien ankommt. Wir haben also am morgen schnell geschaut ob Corca noch in Racadau ist, dann haben wir Gabirel abgeholt und die Fahrkarte für Christa nach Wien organisiert.

Als ich dort ankam, war Ramon der Leiter des Instituts gerade in einem Meeting mit den Leuten von WSPA, die einen großen Teil des Bärenprogramms finanzieren.

Es dauerte eine Weile bis ich die nötigen Infos hatte. Es stimmt, Kirca hat ihren Sender wohl verloren, und Politistul wurde bisher nur in der Nacht nach 22:00 an der Müllhalde geortet, noch nie am Tag. Damit treffe ich die Entscheidung, dass ich in der kurzen zeit kaum die Möglichkeit habe die zwei Bären im Persan Gebirge zu finden, und ich am kommenden Wochenende vorläufig ein letztes Mal versuchen werde Elena zu finden. Heute sind dann Christa, Gabriel und ich in die Hügel um Racadau und haben Corca möglichst genau geortet. Wir sind auf dem Wanderweg praktisch 250m an ihr vorbei und insgesamt im Halbkreis um sie herum. Das war aufregend, das Wetter war perfekt und auf dem Weg kam uns eine Frau mit ihrem angeleinten Hund entgegen, die uns erzählt hat, dass sie weiter oben einem Bären begegnet ist.

Wir wollten am Abend nochmals schauen, welche Bären zu den Containern kommen und ob ich dann eventuell einen der anderen Bären finden kann.

Gegen 20:30 waren wir hier und haben Corca am Conatainer zusammen mit einem anderen Bären angetroffen. Der zweite Bär war vermutlich Kirca, weil die zwei Bären meistens zusammen angetroffen werden.

Gegen Mitternacht war ich zurück auf meiner Wiese im Burzental. Todmüde.

Freitag 17.Nov

Heute war in Brasov ein Meetings angesagt in dem es um das zukünftige Bärenmanagement ging. Wir kamen später an der Universität an und ich konnte mich mit verschiedenen Leuten unterhalten. Christa und Gabriel haben sich in der Zeit die Altstadt von Brasov angesehen.

Am Nachmittag wollten wir uns das Forschungsgebiet für die folgende Woche anschauen und sehen, ob wir schon ein Signal von der Tigaia bekommen. Tigaia ist die Bären, die sozusagen in der Wildnis lebt. Dazu plane ich für ca. 1 Woche eine Hütte der Universität zu benutzen um direkt vor Ort zu sein. Christa muss am Abend um 19:00 am Bahnhof sein.

Auf dem Weg löste sich der reparierte Kühlerschlauch und ich musste den Wagen erst wieder reparieren. Das Tal ist großartig, der Weg gerade so eben befahrbar und wir hatten ein erstes Signal von Tigaia ganz hinten in den Wäldern. Dann war es schon Zeit zurück zum Bahnhof zu fahren, dort haben wir noch gegessen und Christa pünktlich zum Bahnhof gebracht.

Samstag 18.Nov

Mit Gabriel hatte ich abgesprochen, dass wir jetzt am Wochenende nochmals nach Elena suchen und im Feld irgendwo übernachten. Beim frühstück in der Pension haben wir erfahren, dass Pierre Brice um 12 Uhr das neue Bärenauffangzentrum bei Zarnesti einweiht. Wir haben uns dafür entschieden nicht dort hinzugehen sondern die Bären zu suchen. Es war warm und von Poiana Maralui aus haben wir angefangen. Bei einem Telefonat mit Ramon, erzählt er mir, dass er den Empfänger und die Antennte am Abend um 19:00 in Brasov für ein TV-Interview benötigt. Damit war unsere Planung über den Haufen geworfen. Na ja, dass kenne ich schon. Also haben wir nur einen teil absuchen können, hatten dabei aber eine sehr schöne Wanderung auf einen Kamm und konnten bis in das Fagaras Gebirge sehen. Leider hatten wir keinen Erfolg und konnten Elena nicht finden.

Um 18:00 waren wir in Brasov. Als ich Ramon den Empfänger geben wollte erklärt er mir dass es sich um deutsches TV handelt und ob ich nicht Lust habe dazu zu kommen. Also waren wir um 19:00 in Racadau und Ramon hat mir dann fast das ganze Interview überlassen. Sat 1 und WDR war da und wir hatten einen kalten aber netten Abend am Container ohne, dass sich bis um 21:00 ein Bär gezeigt hat. Es war kalt, die Füße sind halb abgefroren. Im Gespräch ging es darum, dass in Rumänien anders gelassener mit Bären umgegangen wird und man mit mittelfristigen Methoden versucht die Situationen mit den Müllbären in den Griff zu bekommen, ohne diese Bären schießen zu müssen. In den Bären selber, die in die Stadt und an die Container kommen erkennt hier niemand eine direkte unmittelbare Gefahr für Menschen. Dem kann ich nur zustimmen.

Am Abend waren wir dann beim Gruia (Backup Team der letzten Expedition) eingeladen. Ich wollte ihm eh noch die Bilder der Expedition geben. Gegen Mitternacht gingen wir dann schlafen.

Sonntag 19.11.06

Am Morgen sind wir zunächst in das Gracin Tal gefahren um sicherzustellen, dass wir am Abend in die Hütte der Universität können. Ab morgen wollen wir der einzigen Bärin die nicht an Müllcontainer geht folgen.

Wir sind heute der Bärin Coca auf der Spur. Sie hält sich nicht direkt in dem Racadau Tal auf, sondern in den Hügel hinter dem Stadtteil Noua in der Nähe vom Zoo. Ich habe heute den Tag genutzt den Gruia etwas mehr in die Telemetrie einzuweisen. Also haben wir zunächst von der Strasse die Bärin angepeilt und sind dann den Berg zunächst auf einem Pfad und dann quer hoch gelaufen. Kurz bevor wir oben waren haben wir die Spuren von Bären gefunden. Losungen von Wölfen und von Bären waren ebenfalls vorhanden. Das brachte mich zur Erkenntnis, dass sich im alten Gebiet der Stadtwölfin Timis Wölfe vermutlich ein Wolfsrudel aufhält, dass zumindest nahe an die Stadt runter kommt. Ob die Wölfe noch die Stadt Brasov durchqueren kann ich allerdings nicht beurteilen. Als wir oben auf dem Kamm angekommen sind waren die Bärin nicht sehr weit weg auf der anderen Seite. Wir wollten die Bären nicht weiter stören also sind wir wieder runter. Auf dem Kammweg runter zum Auto sind uns weitere Spuren aufgefallen und direkt hinter dem Friedhof haben wir Spuren von einem deutlich größeren Bären als Coca gefunden.

Die Bären gehen also nicht nur nach Racadau sondern auch an anderen Stellen runter an den Stadtrand.

Am Abend sind dann Vivienne und Valeska angekommen. Wir sind essen gegangen und haben für 4 Personen gerade 20,-Euro bezahlt. Essen, Service und Atmosphäre waren ziemlich gut.

Erst spät sind wir dann in der Hütte angekommen. Hier draußen gibt es kein Strom und heizen kann man nur mit Holz. Das Bad ist eine alte Badewanne im „Garten“ mit frischem Wasser und weiter unten steht ein Plumpsklo.

Montag 21. November

Die Hausmeisterin hat uns gleich 2 L frische Milch gebracht und wir konnten jetzt bei Licht zunächst alles inspizieren. Gegen 10:00 sind wir aufgebrochen und mit dem Renault so nahe wie möglich auf der Forststrasse an die Region heranzukommen in der die Bärin Tigaia meistens zuhause ist. Ein Signal hatten wir nicht. Wir mussten auf einen Kamm hoch, auf dem wir dann weiter wandern konnten. Der Schnee hat die Grenzen für den Wagen gesetzt. Wir mussten den Wagen noch vor dem Kamm abstellen und zu Fuß weiter gehen. Am Straßenrand im Schnee haben wir dann nicht nur Wolfspuren gefunden sond auch frische Wolfslosungen, die ich eingesammelt habe. Erst auf dem Kamm hatten wir das erste Signal, genau aus der Richtung in der sie sich meistens aufhält. Während der gemütlichen Wanderung haben wir zunächst viele Spuren von Rehen, Hirschen und Wildschweinen gefunden. Wir kamen zu kleinen Lichtungen mit Schneefeldern. Dort haben wir dann die ersten Luchspuren gefunden. Gegen 13:00 waren wir dem Bär recht nahe und hatten den Eindruck, dass Tigaia von einer Seite auf den andere Seite über den Kamm vor uns gewechselt hat. Wir fanden dann auch Bärenspuren im Schnee die aber nicht mehr ganz frisch waren. Nach unserer Mittagspause fanden wir ein Stück weiter frische Bärenspuren die genau so den Kamm gekreuzt haben, wie es uns die Telemetrie schon gezeigt hatte. Nicht nur dass, wir fanden auch viele Wolfspuren, und Luchspuren inkl. einer Luchslosung. Als wir eine weitere kleine Lichtung ereicht hatten konnte ich das Signal ohne Antenne empfangen. Das bedeutet, dass Tigaia nur wenige hundert Meter von uns entfernt ist, im Wald. In der Hoffung dass sie auf die Idee kommt vor uns die Lichtung zu überqueren standen wir ca. 30min still und haben gewartet.

Schade hat sie nicht getan. Wir mussten dann zurück, um noch vor der Dunkelheit wieder unten zu sein. Ich musste am Abend noch einige Sachen aus Zarnesti holen und wir mussten noch einkaufen fahren. Um 17:30 ist es schon fast komplett dunkel.

Dienstag 22. November 06

Das Haus ist nicht mehr geheizt weil der Ofen qualmt und wir keinen geheizten Schlafraum wollten. Es war eigentlich frisch angenehm.

Die Kuh des Hausmeisters die uns schon am gestrigen Abend aufgefallen ist war neugierig bei uns und hat an allem mit ihrer großen Nase geschnuppert was wir in der Hand hatte und war total verschmust. Shira hat erfolglos versucht sie zu vertreiben.

Wir wollen heute nochmals in die Wälder auf den Berg um zu sehen was Tigaia heute so anstellt. Diesmal wollte ich allerdings zunächst von unten heran. Mit dem Auto mussten wir nicht weit fahren bis es nicht mehr weiter ging. Von dort hatten wir auch gleich ein Signal. Es schien, dass Tigaia ungefähr an der selben Stelle ist wie am Vortag. Die Forststrasse wurde hier gerade neu geebnet, weswegen es recht matschig war. Gruia ist dabei und sieht Spuren die er einem Hund zuordnet. Ich erkläre ihm, dass ich eher glaube, dass es sich um die Spuren von halbjährigen Wölfen handelt. Kurz darauf bestätigt sich der verdacht, da wir eine Wolfslosung auf der Forststrasse finden. Wir finden im Tal nach der Strasse einen Pfad und steigen Stufenweise immer höher. Als wir ohne weiterem Weg dem Bach folgen sehen Vivienne, Valeska und Gabriel einen Bären oberhalb von uns. Da ich gerade auf den Boden schaue und etwas vorweg gehe sehe ich ihn nicht. Da ich mit starken die Reflexionen zu kämpfen habe konnte ich nicht genau sagen ob es sich dabei um Tigaia gehandelt hat oder nicht. Nach ein paar Minuten sind wir den Hang hoch und kamen genau auf der kleinen Lichtung aus, auf der wir gestern auch schon waren. Tigaia hält sich genau an der selben Stelle auf wie gestern. Das werde ich nächste Woche nochmals überprüfen müssen.

Wir haben nochmals die Schneefelder kontrolliert und sind dann einen anderen Weg zurück gelaufen. Dabei haben wir noch mehr Spuren von Wölfen, einem ganzen Rudel gefunden.

Zurück an der Hütte haben wir begonnen auf meinem Kocher das Abendessen zu bereiten Nudeln mit Zwiebelsoße und Gemüse. Mit selbst gepflückten Hagebutten haben wir einen tee aufgebrüht und sind dann gegen 21:00 ins Bett.

Mittwoch 22.November

Damit Vivienne als Journalistin einen Eindruck bekommt wie es sich um die Bären in Racadau verhält sind wir heute Coca suchen gegangen. Zuvor haben wir aber noch den Markt besucht und für das Abendessen eingekauft. Coca war heute unterhalb der Zinne (Timpa) im Racadau Tal. Wir sind zunächst auf den gegenüberliegenden Kamm hoch, dann auf einem Wanderweg unterhalb von ihr entlang gelaufen und am Ende zur Zinne hochgelaufen. Dabei haben wir uns soviel unterhalten, dass die telemetrie zur Nebensache wurde, zumal eh deutlich war, wo sich die Bären aufhält. Bis wir von der Zinne wieder am Auto waren, war es bereits dunkel und wir haben noch gewartet, ob Coca runter an die Container kommt, was aber bis um 19:30 nicht der Fall war. Wir mussten dann zurück zu unserer Hütte, denn die Schranke zum Tal wird am Abend abgeschlossen.

Im Schein der Kerzen und der Stirnlampen haben wir das Gemüse geschnitten und unser Abendessen zubereitet.

Donnerstag 23.November

Es ist der letzte Tag an der Hütte, denn am Freitag morgen ganz früh wollen alle wieder aufbrechen. Deshalb ist für diesen Abend eine Pension vorgesehen. Vorher sind wir allerdings erst noch nach Zarnesti zu Poiana und Crai gefahren und hatten um 12:00 ein Treffen im ganz neuen Bärenauffangzentrum bei Zarnesti von der Cristina Lapis. Cristina Lapis setzt all ihre Kraft ein um Bären aus Gefangenschaffteen zu befreien und hat derzeit die ersten Bären in ihr neues großzügiges Gehege übersiedeln können. Die ganze Anlage ist noch nicht zu Ende gebaut. Platz für ca. 50 Bären soll es hier dann geben, inklusive lebendigem interaktiven umweltpädagogischem Einrichtungen. Das war natürlich auch spannend sich anzuschauen und für mich auch wichtig diesen Kontakt weiter zu entwickeln.

Am Nachmittag, nach einer Pause sind wir noch ins ICAS Büro gegangen. Dort konnten wir uns dann noch über das Bärenmanagement in Rumänien unterhalten.

Nach dem Abendessen, dass wiederum sehr gut war waren wir nochmals in Racadau um die Coca jetzt am Abend zu telemetrieren. Nun das war kaum nötig, denn sie stand schon bald 10m neben uns mit einem zweiten Bären, vermutlich der Kirca die ihren Ohrensender verloren hatte. Die Polizei, die ständig herumfährt und aufpasst, dass hier keiner die Bären filmt oder sich sonst den Bären nähert hat mich nur gefragt ob die Bären denn hier unten seien. Das habe ich bejaht, sie sind gerade wieder in den Wald hoch. Da ich mit ICAS kooperiere kennt mich die Polizei und sie haben meine Telemetrieausrüstung gesehen.

Gegen 21:00 sind wir zur Pension gefahren.

Freitag 24.Dezember

Vivienne, Valseka und Gabriel reisen am früher morgen gemeisam ab. Einen Tag Pause um am Komputer zu arbeiten und am Abend in der Wolfhütte bei Poiana udn Crai zu übernachten.

Samstag 25.Dezember

Ich suche von der Wolfshütte aus am Fuß vom Nationalpark Königstein die nach westen verlaufenden Täler ab. Wenn Elena, die Bären bis nach Poiana Marului gewandert ist liegen diese stark bewaldeten Hügel in der Verlängerung ihrer Wanderroute und stellen die Verbindung zwischen dem Königsteingebirge und dem Fagarscher Gebirge dar. Leider konnte ich Elena nicht finden. Die Täler sind über 20km lang was zur Folge hat, dass ich auf den Forststrassen mit dem Renault nicht sehr schnell fahren kann. Max 30km/h.

Sonntag 26.Dezember

Die Heizungsanlage in dem Haus, dass ich für gewöhnlich miete wenn ich in Rumänien bin ist instaliiert und ich kann wieder hinein um dort zumindest meine Sachen zu deponieren. Am Abend kommt Michael und begleitet mich als Journalist in dieser Woche. Am Vormittag wollte ich schauen wo sich Carbunare aus der Region um Rosenau aufhällt. Die Schlucht war mit einer Schranke versperrt. Als ich im Tal hinter Schlucht ankomme findet dort eine Treibjagd auf Wildschweine statt. Carbunarea scheint hoch in die Felsen in der nordöstlichen Ecke des Tales zu sein. Um nicht selber in die Treibjagd hineinzugeraten breche ich die Telemetrie nach einer Stunde ab ohne eine genauere Ortung zu bekommen. Am Abend, fahre ich mit Michael ins Garcin Tal zur Hütte der Universität um dort morgen die Bären Tigaia zu suchen.

Montag 27. Dezmeber

Zwischen 11 und 12 Uhr erreichen wir das Gebiet in dem ich Tigaia auch in der letzten Woche gefunden hatte. Schon die ersten Signale die ich von der Talstrasse hatte liessen mich vermuten, dass diese Bären ziemlich an der selben Stelle ist wie in der letzten Woche. So war es auch, und wie letzte Woche empfing ich eine Mortalitätssignal. Das Mortalitätssignal ist schnelle als das normale Signal und bedeutet, dass der Sender für ca. 24h Stunden inaktiv war. Das ist das dritte mal und gleichzeitig wußte ich nur, dass seit längerer Zeit keine Satelittenortung mehr empfangen wurde. Mein Rückschluß daraus war, dass Tigaia entweder eine Höhle hat für den Winterschlaf, oder sie den Sender verloren hat, oder die Bären tot ist oder aber der Sender eine Fehlfunktion hat. Das wollte ich jetzt überprüfen und wir haben usn versucht dem Signal soweit zu nähern um Antworten auf die Fragen zu bekommen. Ich habe Michael informiert, dass diese Aktion jetzt nicht ungefährlich ist. Erstens weil es in dem Gebiet mehr als nur einen Bären zu geben scheint. Ich hatte Spuren von einem größeren Bären gefunden. Zweitens könnte Tigaia durchaus am leben sein und wir rennen ihr praktisch in die Arme. Eine Fehlfunktion des Senders könnte erst Recht eine kritische Situation heraufbeschwören. Ich denke aber, dass ich die Tiere und die Situationen gut genug einschätzen kann um diese kalkulierte Risiko eingehen zu können. Tigaia ist erstens recht klein und die rumänischen KOllegen habe sich ihr auch schon extrem genähert. Ich schätze sie eher als eine ängstliche Bärin ein, die sich versteckt oder flieht und nur im absoluten Notfall angreifen würde. Soweit würde ich es aber nicht kommen lassen. Wir näherten uns von oben um in dem Stück Urwald eine Übersicht zu bekommen. Doch als wir uns sher langsam und vorsichtig auf eta 100m dem Signal genähert hatte kam ein leicher Fallwind auf der sowohl unsere Geräusche als auch unserern Geruch dem Bären zutrieb. Wir gingen zurück um uns aus einer anderen Richtung gegen den Wind wieder anzuschleichen. Tigaia wird uns vermutlich schon bemerkt haben. Bären sind aber nicht immer sehr aufmerksam. Beim nächsten Versuch entdeckte ich gerade noch rechtzeitig eine gegrabene Höhle unter der Wurzel eines Baumes. Das Signal ist hier überall sehr stark und wegend er Refexionen ist eine genaue Richtung nicht mehr auszumachen. Bei dem dritten Versuch, jetzt dem Bach aufwärts gehend brachte uns noch näher. Wir gingen den steilen Hang mit langsamen gymnastischen Verrenkungen um Ästen auszuweichen und keine typisch menschlichen Geräusche zu verursachen. Bäume lagen kreuz und quer mit vielen VErsteckmöglichkeiten. Um hier einen Sender zu finden müsste ich in jede Ritze schauen, was mit der AUssicht dass dort noch immer ein Bär dran hängen könnte weniger verlockend ist. Nach ca. 2 Stunden breche ich ab. Ich will nochmals einen Blick auf die Satelittenortung werfen bei nächster Gelegenheit. Diese Aktion war nicht ungefährlich, allerdings habe ich schon so viele Bärenbegnungen hinter mir und bin schon so häufig in ähnlichen Gebieten gewesen ohne zu wissen ob dort gerade auch ein Bär ist, dass ich in diesem Fall das Risiko für geringer gehalten habe als mit dem Auto jährlich 30.000km zu fahren. Der Afrenalinpegel war in jedem Fall trotzdem mindestens erhöht, und eine gewisse Angst sollte man haben um nicht übermütig zu werden.

Dienstag 28. November

Wir sind heute zunächst ins ICAS Büro gefahren. Dort haben wir uns die letzten Daten (Satelittenortungen) der Tigaia angesehen. Dort war die Überraschung. Nach mehrern Tagen gab es genau von dem gestrigen morgen mehrere Ortungen an unterschiedlichen Stellen. Die Ortungen stammen alle aus dem Zeitraum bevor wir oben bei ihr angekommen waren. Das bedeutet, der Sender hängt noch um den Hals der Tigaia und Tigaia lebt und ist aktiv. Das bedeutet aber auch, dass der Sender ein Mortalitätssignal sendet, obwohl der Bär nachweislich aktiv war. Dazu gibt es zwei Erklärungen, entweder ist ein Teil der Elektronik des Senders defekt, oder so unempfindlich eingestellt, dass bei langsamen Bewegungen gar keine Aktivität von der Elekronik wargenommen wird. In beiden Fällen ein echtes Problem, dass sehr gefählich werden kann für den Wissenschaftler in der Feldarbeit.

Danach sind wir auf die Suche nach Coca gegangen. Das war extrem einfach, denn sie saß im bewaldeten Hang direkt über der Altstadt von Brasov. Wir sind gemütlich auf dem Wanderweg bis zur Timpaspitze gewandert udn haben oben die Aussicht und den Sonnenuntergang genossen. Von der Spitze habe ich dann noch ein ganz schwaches Signal von der Bären Profa aus nordwestlicher Richtung bekommen. Das ist genau die Region zwischen Zeiden und Vladeni in der Ramon von ICAS vor etwa 4 Wochen das letzte Signal hatte. Wir sind einmal um Coca herumgewandert ohne sie zu sehen. Auch am Abend kam Coca nicht in die Stadt herunter bis 21:00.

Mittwoch 29. November

Michael wollte heute seine Freundin aus Bukarest abholen, und Marius ein weitere rumänischer Kollege wollte nach der Jagd vom Sonntag Carbunarea suchen gehen. Ich nutze diesen Tag aus um einige Freunde zu treffen und besuche noch das Büro des Ökotourismusverbandes in Brasov. Im ICAS Büro erfahre ich, dass Ramon um 3 Uhr in der Früh von der Polizei in Racadau angerufen wurde, weil zwei Bären versuchen in ein Hochhaus rein zu kommen. Es handelte sich um Coca und vermutlich der Bärin Kirka. Beide Bären liessen sich ohne Probleme vertreiben. Der Flug hat Verspätung und so schickt mir Michael eine SMS, dass er erst am Donnerstag gegen Mittag wieder in Brasov sein wird.

Donnerstag 30. November

Gegen 13:00 kommt Michael mit seiner Freundin an. Ich möchte versuchen das Signal der Profa zwischen Zeiden und Vladeni zu finden. EIne reine Autotelemetrie mit kruzen Fußmärschen zu strategisch günstigen Punkten. Erst gegen 16:30, als es schon fast dunkel war breche ich ab ohne auch nur ein leises Pipsen gehört zu haben.

Nach dem Essen gingen wir nochmals nach Racadau um zu prüfen was die Coca macht und ob noch andere Bären an die Müllconatiner kommen. Gleichzeitig beobachten wir die Leute und ob die Müllabfuhr die Conatiner auch leert. Einige Leute werfen den Müll noch immer in die Conatiner, nachdem die Conatiner geleert worden sind. Es sollte nach der Reinigung kein Müll mehr in der Nacht in den COnatiner gefunden werden. Die leute sollen lernen, den Müll dann am nächsten morgen zu entsorgen, damit die Bären möglichst keine Nahrungsquelle in den Conatiner oder ind er Stadt mehr finden können. Das geht natrülich nur mit einer längerfristigen Öffentlichkeitsarbeit, die in diesem Jahr zum ersten mal durchgeführt wurde. Zusätzlich werden die alten Container nach und nach durch neue Bärensicher COnatiner ersetzt. WIe auch immer, Coca kam runter und wir sahen noch 2 eventuell 3 weitere Bären. Die Passanten und die Autofahrer kümmerten sich kaum drum, sondern gingen ganz normal in 10-20m Entfernung ihren eigenen Beschäftigungen nach. Die Polizei tauchte auf um zu kontrolieren, dass sich alle benehmen.

Freitag 1. Dezember

Ich hatte im neuen Bärenauffangzentrum bei Zarnesti einen Termin mit Christina Lapis, der Initiatorin verabredet. Sie konnte leider nicht kommen, dafür hat uns einer der Angestellten herumgeführt und Michaels Fragen beantwortet. Das Gelände ist insgesamt 80ha groß und es wird am Ende mehrere große Gehege für insgesamt etwa 50 Bären geben.

Michael wollte jetzt noch Schloß Bran besichtigen und dann eigenständig nach Brasov fahren. Ich wollte nochmals Carbunarea suchen gehen, nachdem mir Marius erzählt, dass er sie nicht gefunden hatte. Der letzte Telemetrietag und ich fand Carbunarea schon nach etwa 30min. Sie war oben in den Felsregionen hinter der Ronauerschlucht. Ich konnte sie nur vom gegenhang aus telemetrieren. Bei dieser Bären ist mehr Vorsicht angeraten, sie hat schon zweimal gezeigt, dass sie dazu neigt Menschen zu verteiben die ihr bewusst zu nahe kommen.

Am Abend traf ich Michael und Georga, seine Freundin in Brasov. Beide wollten am Samstag nach Bukarest fahren und am Sonntag nach Deutschland fliegen.

Samstag 2.Dezember

In Sibiu (Hermannstadt) war ein Jahrestreffen mit Workshops des Ökotourismusverbandes zu dem ich eingeladen war. Ich nutze diesen letzten Tag in Rumänien um daran teilzunehmen. Ich hatte viele interessante Gespräche und habe einige neue Mitgleider kennen gelernt. Ich werde im kommenden Jahr erstmalig einige neuen Programme miteinwickeln und mit meinem Teilnehmer testen. Das wird spannend.