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„Der Weg der Wölfe“

Expedition Transkarpaten vom 1April – 20.Juli 2005

Zusammenfassung der Ergebnisse in Bezug auf die angetroffenen Hinweise der drei großen Beutegreifer Wolf (Canis Lupus), Branbär (Ursus Artctos) und dem eurasischem Luchs (Lynx lynx), dem allgemeinen Eindruck des Lebensraumes und Barrieren.  

Expedition

Die Expedition startete am 1.April 2005 im Nationalpark Piatra Craiului im Ellebogen der Karpaten in Rumänien, und endete am 20.Juli in Rietschen/Sachsen. Zusammen mit 51 Helfern und Teilenehmern die mich auf der Expedition unterstützt haben sind wir vom Nationalpark Piatra Craiului im Ellebogen der Karpaten in Rumänien bis in die Lausitz nach Ostedeutschland wandern. Insgesamt waren wir 112 Tage unterwegs und haben eine Gesamtstrecke die irgendwo zwischen 2000km und 2500km liegt zurückgelegt. Von den 112 Tagen habe ich selber 109 Tage im Freien (Zelt, Tarp oder ganz frei) übernachtet. Drei Übernachtungen in einer Hütte, in einer Camping Hütte und in der Forstverwaltung musste ich wetterbedingt zwangsweise in Kauf nehmen. Die Temperaturen schwankten in der Nacht von –15°C bis auf über 35°C am Tag. Insbesondere im April und der ersten Maihälfte, hatten wir ungewöhnlich kaltes und feuchtes Wetter. In diesem Frühjahr gab es erhebliche Überschwemmungen in Rumänien und der Ukraine. Selbst die Überquerung der Hohen Tatra in der ersten Juni Woche mussten wir im Schneesturm und einem drei Tage andauerndem Dauerregen bewältigen.  

Zielsetzung

Aufgabe der Expedition war, festzustellen wie gut oder schlecht große Säugetiere entlang der durchwanderten Route selber wandern könnten. Der Schwerpunkt liegt bei der großen Beutegreifern, Wolf, Bär und Luchs. Während der Expedition haben wir Hinweise auf die Anwesenheit der Großräuber dokumentiert, Barrieren registriert und versucht festzustellen, in welchem Masse Lebensräume miteinander vernetzt sind.

Auf der Expedition haben wir mehrere Länder durchwandert oder gestreift. Dazu zählen Rumänien, die Ukraine, die Slowakei, Polen, Tschechien und Deutschland. Wobei sich die Strecke in Deutschland am Ende der Expedition auf nur eine Tagesetappe beschränkt.

Mit Hilfe der folgenden Karten und kurzen Beschreibungen möchte ich die Informationen aus der Expedition einfach verständlich zusammen fassen.

Am Ende habe ich anhand zweier Grafiken das Gesamtergebnis nochmals visualisiert dargestellt. 

Karte 1: Die Wanderstrecke orange Pünktchen

Rumänien

Karte 2: Rumänien mit Routenverlauf und Koordinaten der Großräuberhinweise und auffällige Barrieren.

Zusammenfassung Rumänien

Wir waren vom 1.-29.April in Rumänien. Wegen der schwierigen Witterungsbedingungen und der hohen Lawinengefahr in den Bergen konnten wir größere Teilstrecken gar nicht oder nicht entlang der vorgesehenen Route durchwandern. In der ersten Woche hatten wir Nachts Temperaturen um –15°C und am Tag strahlenden Sonnenschein mit über 20 Grad plus. Abgesehen von einem kleinen Stück am ersten Tag, hatten wir in dem niedrigen Persanhügelgebiet gar keinen Schnee und sehr trockenen Boden. Die Schneegrenze lag bei etwa 1300m Höhe. In den drei übrigen Wochen in Rumänien wurde es am Tag kälter und vor allen Dingen sehr nass, dafür war es in der Nacht deutlich wärmer und der Schnee begann schnell zu schmelzen.

Wildtierspuren

Wir waren insgesamt 29 Tage in Rumänien. Davon sind wir an 19 Tagen gewandert. In der Regel haben wir dann keine Spuren gefunden, wenn wir abbrechen mussten oder überwiegend durch Siedlungsgebiete gewandert sind. Das wir dort keine Hinweise gefunden haben erscheint zwar zunächst für die meisten Leser logisch. Der Umstand hat aber weniger damit zu tun, dass Wölfe und Bären nicht durch die Siedlungsgebiete laufen sondern viel mehr mit dem Umstand, dass auf befestigten Wegen und den Dorfstrassen Wildtierspuren praktisch nicht identifizierbar sind. Wir haben fast täglich Spuren von Rehen, Hirschen, Füchsen und häufig Wildschweinspuren und anderen Wildtieren gefunden oder beobachten können (Siehe Tagebuch).

Tabelle1: Häufigkeit der Spuren von Wolf, Bär und Luchs in Tagen. Mehrfache Hinweise an einem Tag werden hier nur einfach gewertet.

 

Wolf

Bär

Luchs

Tage

13

10

8

In der Regel haben wir mehrere Spuren und Hinweise einer Tierart pro Tag gefunden.

Wir haben mehrfach festgestellt, dass in der Nacht Wölfe und Bären in direkter Nähe unser Lager passiert haben. Weniger weil sie sich für uns interessieren, sondern weil wir mit unserem Lager sozusagen im Weg  und/oder in der Näher „traditioneller“ Wanderrouten lagen.

Barrieren

Entlang der Wanderroute konnte ich keine Barriere entdecken, die für große Säugetiere besonders schwierig zu überbrücken gewesen wäre. Es gab ein paar stark befahrene Strassen, die aber derzeit kein echtes Problem darstellen. Ich konnte auch keine Anhäufung einzelner kleiner Barrieren feststellen, die so großräumig sind, dass sie nicht leicht umgangen werden könnten. Damit meine ich Beispielsweise einen Fluss mit starker Strömung, eine intensive  genutzte Strasse mit steiler Böschung und einer sehr langen Straßensiedlung mit fast durchgängiger Abzäunung. Allerdings ist zu erwarten, dass sich diese Situation verändern wird.

Karte 3: die schwarzen Linien stellen die geplanten Autobahnen durch die rumänischen Karpaten dar. Betroffen ist insbesondere die erste Strecke der Expedition Nr.1 bei Brasov. Die roten und gelben Kreise sind Regionen die ich als Forschungsgebiete in Bezug auf Migrationbewegungen empfehlen würde.

 Ukraine

Der zweite Abschnitt der Expedition verlief durch die Karpaten in der Ukraine.

Karte 4: die grünen Linien stellen die gewanderte Route dar. Die blauen Linien die geplante Route, die ich nicht durchwandern konnte. Die roten Linien sind die gefahrenen Strecken um zum nächsten Startpunkt zu kommen.

Zusammenfassung Ukraine

Wir haben uns insgesamt 18 Tage in der Ukraine aufgehalten und sind davon an 11 Tagen gewandert. Auch in der Ukraine waren die Witterungsbedingungen teilweise sehr schwierig. Das Gebirge der Karpaten war Anfangs noch um 2000m hoch und die Schneegrenze lag bei etwa 1500m. Das erste Stück konnten wir verletzungsbedingt und wegen der Schneeverhältnisse nicht wie geplant durchwandern.

Wildtierspuren

Mit einem Schlag nahm die Häufigkeit der Wildtierspuren dramatisch ab. Davon betroffen waren insbesondere alle großen Säugetiere. In einem direkten Vergleich mit Rumänien habe ich den Eindruck erhalten, als ob es fast keine Wildtier mehr gibt. Mein Eindruck hat sich durch alle Höhenlagen und sowohl in Dorfnähe als auch in den entlegeneren Regionen gezogen und wurde auf Anfrage vom Wildtierbiologen des Biosphärenreservates bestätigt. Von den drei großen Beutegreifern haben wir nur noch Wolfspuren gefunden und zwar an insgesamt 7 Tagen. Keine Spuren von Bären oder vom Luchs.

Die einzigen Hinweise auf Braunbären waren die Berichte der lokalen Bevölkerung und der ukrainischen Wildbiologen. Eine solche Situation hatte ich nicht erwartet. Die Wilderei scheint über viele Jahrzehnte unkontrolliert und in einem erschreckendem Ausmaß verbreitet zu sein. 

Tabelle2: Häufigkeit der Spuren von Wolf, Bär und Luchs in Tagen. Mehrfache Hinweise an einem Tag werden hier nur einfach gewertet.

 

Wolf

Bär

Luchs

Tage

7

0

0

Barrieren

In der Ukraine bin ich nicht auf einzelne massive Barrieren entlang der Wanderroute gestoßen, die von Wildtiere nur schwer überwunden werden können. Dafür aber auf die Anhäufung einzelner kleinerer Barrieren die zusammen genommen problematisch sein könnten. Dazu zählt die Kombination aus einem breiten Fluß mit starker Strömung, einer steilen Böschung, Strasse und den sehr langen Straßensiedlungen die sich über viele Kilometer erstrecken. Fast alle Häuser haben Gärten die von dichten Zäunen ebenfalls über viele Kilometer abgegrenzt sind und teilweise deutlich über 1m hoch sind.

Slowakei

 Karte 5: die grünen Linien stellen die Wanderroute dar, die roten Linien die mit dem Auto überbrückten Strecken. Die gelben Punkte sind unsere Lagerplätze.

Zusammenfassung Slowakei

Wir waren vom 18.Mai bis zum 9.Juni in der Slowakei. Insgesamt sind von 23 Tagen an 20 Tage gewandert. Wir konnten praktisch die gesamte Strecke durchwandern. Schnee hatten wir nur noch in der Hohen Tatra. Erstmalig können wir eine Grenze (von der Slowakei nach Polen)zu Fuß überqueren. Abgesehen von den ersten beiden und den letzten drei Tagen hatten wir hervorragendes Wetter mit Temperaturen über 30°C.

Spuren

Nachdem wir die Ukraine verlassen haben, hat sich sie Situation um die Wildtierbestand schlagartig verändert. Überall auf der gesamten Strecke konnte ich Spuren von Rehen, Hirschen und Wildschweinen finden. Hirsch und Reh haben wir sehr häufig beobachten können. Ich würde sogar behaupten, dass die Population der Rehe, Hirsche und Wildschweine höher war als in Rumänien. Anders als in Rumänien haben wir relativ viele Fütterungsplätze gefunden, was die hohe Population auch erklären würde.

Auch die Häufigkeit Spuren der drei großen Beutegreifer hat sich geändert. Zu beobachten war, dass ich Hinweise auf Wölfe im Osten regelmäßig hatte und je westlicher ich kam um so seltner wurden die Hinweise. Spuren und Hinweise auf Bären sind in der Regel relativ leicht zu finden. Doch nur drei mal konnten wir einen Hinweis auf einen Bären finden. Das halte ich für sehr wenig. Das selbe gilt für den Luchs, wobei ich allerdings berücksichtigen muss, dass Luchsspuren am schwersten zu finden sind, insbesondere wenn kein Schnee mehr vorhanden ist.

Tabelle3: Häufigkeit der Spuren von Wolf, Bär und Luchs in Tagen. Mehrfache Hinweise an einem Tag werden hier nur einfach gewertet.

 

Wolf

Bär

Luchs

Tage

11

3

3

Der direkte Vergleich zwischen Rumänien, Ukraine und der Slowakei scheint zu bestätigen dass es in der Ukraine deutlich weniger große Säugetiere gibt als in den beiden anderen Ländern. 

Barrieren

Die Grenzregionen waren im Prinzip Barriere frei. Erst als wir in den mittleren Teil der Slowakei gewechselt sind, sind wir auf die ersten Barrieren in Form von sehr breiten Strassen gestoßen, die Teilweise schon sehr schwer zu überwinden sein dürften. Dazu zählt insbesondere die Autobahn die derzeit von West nach Ost gebaut wird. Aber auch die teilweise sehr breiten und stark befahrenen Strassen zwischen den nordöstlichen Karpaten und den mittleren Karpatenbereichen in der Slowakei zählen dazu.

 Grenzregion Tschechien/ Polen

bis nach Deutschland

Karte 6: die grünen Pfeile symbolisieren in etwa die Wanderroute, die Wölfe nehmen könnten, und die wir genommen haben (mit Ausnahme des Pfeils südöstlich von Dresden). Die blauen Punkte kennzeichnen Hinweise auf Wölfe. Die rote Linie und das rote Oval zeigen die wichtigsten gravierenden Barrieren.

Zusammenfassung

Am 9.Juni haben wir die Grenze nach Polen überquert und ich bin am 20.Juli durch die Neiße nach Deutschland geschwommen um dann noch etwa 15km bis nach Rietschen dem Ziel zu wandern. Von insgesamt 42 Tagen sind wir 34 Tage gewandert. Die längste Strecke der Expedition. Im Vorfeld hat man mir erzählt, dass die polnische/tschechische Grenzregion stark zersiedelt und völlig ungeeignet für große Beutegreifer ist. Das kann ich so nicht stehen lassen, denn mein Eindruck auf der Expedition war ein anderer. Auf polnischer Seite ist die Landschaft teilweise stark für landwirtschaftliche Flächen und Industrieanlagen genutzt. Doch der direkte Grenzraum ist davon kaum betroffen. Ich hatte zumindest den Eindruck, dass fast die gesamte Grenzregion durchaus als Lebensraum oder zumindest als Korridor sehr gut geeignet ist. Hinweise auf Rehe, Hirsche und Wildschweine haben wir entlang der gesamten Strecke finden können.

Spuren

Spuren und Hinweise auf Wölfe haben wir praktisch nur noch in der Nähe der Karpaten gefunden. Lediglich auf meiner Anreise durch Polen habe ich südöstlich von Walbrzych (blauer Punkt) ein gerissenes Reh gefunden mit Spuren die von einem Wolfs stammen könnten.

Wenigstens zwei sehr alte Losungen konnte ich finden mit vielen Haaren vom Reh oder Hirsch. Das könnte ein Hinweis auf die Anwesenheit eines Wolfes oder Luchs gewesen sein. Die Losung war aber so alt und zerfallen, dass eine eindeutige Identifizierung nicht mehr möglich war.

Ein lokaler tschechischer Förster hat uns erklärt, dass er sich freuen würde, wenn es Wölfe, Bären oder Luchse wieder geben würde. Er meinte, dass es seit etwa 20 Jahren keine Wölfe mehr gibt, gelegentlich der Luchs herumstreift und vor 3 Jahren (also 2002) zwei Bären gesichtet worden waren. (Siehe Tagebuch)

Tabelle4: Häufigkeit der Spuren von Wolf, Bär und Luchs in Tagen. Mehrfache Hinweise an einem Tag werden hier nur einfach gewertet.

 

Wolf

Bär

Luchs

Tage

4

0

0

Barrieren

Es gibt eine ganz entscheidende Barriere. Es handelt sich um das niederschlesische Industriegebiet zwischen Ostrava (Tschechien) und Wodizlaw Slaski. Hier müssen Wildtiere die gesamte Region umgehen, was im Süden möglich wäre. Von der Hohen Tatra bis dort hin gab es keinen nennenswerten Barrieren die aufgefallen sind. Das selbe galt überraschender Weise für die Region entlang der gesamten Grenzregion. Erst die extrem stark befahrene Strasse zwischen Legnica und der deutschen Grenze stellt eine gewisse Barriere dar. Die Dörfer in der Nähe der Grenze speziell in Westpolen wirken leer, viele Häuser waren völlig verfallen und die landwirtschaftlichen Flächen wurden zum großen Teil nicht mehr genutzt.

Graphik 1: die Grafik verdeutlicht an wie vielen Tagen wir pro Land Spuren oder Hinweise der großen Beutegreifer gefunden haben.

 

Graphik 2: diese Graphik verdeutlicht wie häufig wir Hinweise in Relation zu den Wandertagen gefunden haben.

Zunächst möchte ich betonen, dass diese Ergebnisse keine wissenschaftliche repräsentative Ergebnisse darstellen, sondern allerhöchstens einen allgemeinen Eindruck über die dichte der Populationen von Wolf, Bär und Luchs in den einzelnen Ländern vermitteln können. Diese Darstellung gibt keinen Aufschluss über die Relation der Populationsgrößen der Wildtiere untereinander.

Deutlich wird, dass die Situation um die großen Beutegreifer in Rumänien am besten aussieht. Wenn ich jetzt noch die Detailerfahrungen der einzelnen Länder auswerte, erscheint es auch so, dass die Verbreitung in Rumänien am gleichmäßigsten ist, denn die Spuren und Hinweise habe ich in ganz Rumänien gefunden, während sich beispielsweise die Spuren und Hinweise in der Slowakei auf die östlichen Regionen konzentriert haben.

Auf der Wanderung ist mir aufgefallen, dass der Einfluss bzw. die Interessen der Jagd in allen Ländern unterschiedlich zu sein scheint. In Rumänien und der Ukraine haben wir nur sehr wenige Fütterungsstellen und Hochstände gefunden. In der Slowakei und im Grenzbereich von Polen und Tschechien haben wir dagegen sehr viele Fütterungsstellen und sehr viele Hochstände gefunden. Insbesondere an den Fütterungsstellen haben wir teilweise sehr viele Spuren von Hirschen gefunden. Abgesehen von der Ukraine, war ich überrascht wie wenig Spuren ich von Braunbären in der Slowakei finden konnte. Ich möchte an der Stelle betonen, dass wir auf der gesamten Strecke die selbe Methode angewendet haben. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit Spuren und Hinweise zu finden auch in einem direkten Zusammenhang mit der tatsächlichen Wildtierdichte steht. Einfach ausgedrückt, wenige Spuren bedeutet weniger Tiere, solange man bei einer Wildtierart bleibt und die Situationen der Länder miteinander vergleicht.

Basierend auf dieser ersten Expedition würde ich wagen zu behaupten, dass in Rumänien die Populationsdichte der Wölfe, Bären und Luchse am stärksten ist. Insbesondere in Bezug auf die Braunbären wird dies sehr deutlich denke ich.

Ich bin für Kommentare oder Anregungen offen.