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Tagebuch: Expedition Tschechien

2.Woche

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9.Februar

Eigentlich mein Ruhetag. Doch da ich alleine bin bin ich ins erste Zielgebiet der 2.Woche gefahren und habe dort zwei Waldgebiete abgesucht. Was mir bisher positiv auffällt ist, dass man immer den nächsten bewaldeten Hügel sehen kann, der nie sehr weit weg ist. Die Waldstücke sind aber jetzt deutlich kleiner und die Täler und Ebenen stärker besiedelt bzw. Landwirtschaftlich genutzt. Alles im allen aber bisher so gestaltet, dass Luchse, Wölfe und sogar Bären in der Lage sein müsste hier durchzukommen. Bei den Autobahnen mache ich mir eher sorgen denn die Grünbrücken scheint man arg zu vernachlässigen.

Die Hügel sind jetzt nur noch 500-600m Hoch, es liegt kein Schnee und um hier Spuren zu finden muss ich sehr viel Glück haben. Ich bin jetzt etwa 60km nördlich von Brno bei Krenov.

Auf einem so festen und sogar schotterigem Weg kann man praktisch keine Spuren finden. Doch es gibt immer rechts und links sogenannte Rückewege für die Forstarbeit. Die sind matschig und weich. Dort kann ich dann Spuren finden.

Vom Schalenwild, Füchsen und sogar von einem Dachs habe ich Spuren gefunden. Die haben aber alle nicht so große Reviere wie Luchse oder gar Wölfe und sind zahlenmäßig viel häufiger vorhanden.

10. Februar

In der Nacht war es etwa -5°C und im meinem Schlafsack war es fast zu warm.

Heute bin ich noch ein Stück weiter nach Südwesten gefahren an den nördlichen Rand eines größeren Waldgebietes bei

Ich bin durch die Wälder auf beiden Seiten gezogen habe aber nichts weiter als Rehe gesehen und Spuren von Hirsch und Wildschwein. Wieder ein fast reine Fichtenmonokultur. Dieses große Waldstück liegt eigentlich genau in der Mitte zwischen den nordöstlichen Gebieten in denen Luchse, manchmal Wölfe und Bären und die Elche auftauchen. Theoretisch gesehen könnten hier alle diese eher seltenen Tierarten zumindest gelegentlich auftauchen.

Die Bedingungen um Spuren zu finden sind noch immer extrem schlecht.

Nach einem kurzen Gespräch mit Mirek habe ich mich dazu entschlossen morgen eine Pause einzulegen und nach Bratislava zu fahren. Dort ist eine Großräuberkonferenz für die Slowakei und Tschechien organisiert.

Da ich ungerne völlig verschwitzt und dreckig dort hin wollte, habe ich eine Outdoor Dusche genossen, bei sehr frostigen Temperaturen. Das Problem bestand darin eine Stelle zu finden bei der nicht im ungünstigsten Moment jemand vorbei kommt.

Es kam ein Pärchen, da hatte ich aber gerade wieder alles im Wagen verstaut.

Ich bin nach dem Abendessen noch bis nach Brno gefahren, denn dort will ich mich morgen früh mit Mirek treffen und ihn mitnehmen.

11. Februar

Ich hatte keine Lust auf dem Parkplatz den ganzen Wagen umzuräumen um darin bequem schlafen zu können, also habe ich auf der Rückbank gepennt und Shira auf den Fahrersitz geschickt. Nicht besonders bequem aber für eine Nacht auszuhalten, auch bei -6°C. Um 7 Uhr kam Mirek mit einem Freund und wir sind rechtzeitig um zur Konferenz angekommen.

Inhaltlich ging es bei der Konferenz darum Ansätze und Ideen zu initiieren wie zukünftig gemeinsam sowohl mit den verschiedenen nationalen Interessengruppen als auch mit den Nachbarländern ein Großräubermanagementplan entwickelt werden kann.

Einen interessanten Unterschied gab es zwischen Tschechien und der Slowakei. In der Slowakei ging es mehr darum wie viele Wölfe, Bären und Luchse können oder müssen pro Jahr geschossen werden, um Schäden einzugrenzen und die Populationen nicht zu gefährden. In Tschechien ging es darum wie man die Lebensräume vernetzen kann und wie man zukünftig die Populationen stabilisieren oder sogar erhöhen kann. Ich kann hier nicht auf alle Hintergründe eingehen, wissen muss man aber, dass in der Slowakei alle drei Beutegreifer in stabilen Populationen vorhanden sind, in Tschechien nicht. 

Am Ende wurde deutlich, dass man in Tschechien eher für Kooperationen mit allen Partnern bereit ist, während in der Slowakei noch sehr feste sehr gegensätzliche Meinungen der einzelnen Gruppen bestehen.

Ich war hier mehr als stiller Beobachter und denke, dass sich in beiden Ländern einiges zugunsten der Wolf, Bär und Luchspopulationen entwickeln wird, was wiederum Einfluss auf Deutschland und Österreich haben wird. Die langjährig festgefahrenen Fronten fangen an sich zu bewegen.

Ganz wichtig für mich war dem Mirek bei weiteren Kontakten zu helfen und mit Robin Rigg und dem Vladu (beide aus der Slowakei) schon die ersten Ideen für ein zukünftiges 3 Länderprojekt mit Polen angesprochen wurde.

12. Februar

Wir sind gestern Abend noch bis nach Brno zurückgefahren und haben dort im Büro von Mirek's Organisation Duhan übernachtet.

Heute sind wir dann gleich am Morgen nach Zdar zur Verwaltung des Landschaftsschutzgebietes in der Umgebung gefahren. Das ist jetzt im südlichen teil des großen Waldgebietes in dem ich am Sonntag im nördlichen Teil unterwegs war. Der Zoologe hat uns ins Gebiet gebracht und erklärt, dass es hier regelmäßige Luchsbeobachtungen gibt, die letzten stammen vom August 2007. Elche sind vor einigen Jahren ebenfalls durchgezogen und vor einigen Jahren ist hier ein junger Bär aufgetaucht, der dann von Jägern geschossen worden ist. Über Wölfe meinte er, die seine hier seit 200 Jahren nicht mehr gemeldet worden. Das finde ich erstaunlich.

Das Gelände ist wieder hügeliger bis 780m Höhe und größere Felsblöcke stehen im Wald herum. Mirek und ich haben uns umgesehen aber heute keine Spuren ausser den übliche Fuchs und Schalenwildspuren gefunden. Es gibt noch ein paar Schneereste.

Ich selber habe in der Verwaltung ein Gästezimmer bekommen, dass ich bis Freitag nutzen kann, falls ich solange hier bleiben möchte.

13.Februar

Ich habe die Wälder an drei verschiedenen Stellen durchstreift. Ich bleibe dabei immer nur kurze Zeit auf den geteerten Forststraßen bis zur nächsten Abzweigung in den Wald. Dabei habe ich war ich auch in der Umgebung in der im August 2007 ein Luchs beobachtet worden ist.

Der Zoologe Petr Mückenstein hat mir eine Karte gegeben mit Luchsbeobachtungen seit 1989, insgesamt 16. Er horchte auf, als ich erzählt habe, dass ich Spuren von einer Wildkatze gefunden habe. Die Wildkatze gilt in Tschechien als extrem selten. Das wusste ich leider nicht, sonst hätte ich die Daten aufgenommen und mehr auf solche Spuren geachtet.

Hinweise oder Spuren von einem Luchs habe ich nicht gefunden, aber dafür hat mich eine Rotte Wildschweine im Abstand von 75-100m im Halbkreis umrundet, im Wald kaum sichtbar. Das Foto, dass ich in aller Hektik mit Handschuhen versucht habe zu machen ist entsprechend misslungen. Dafür hier eine Suhle und die grauen Scheuerstellen der Wildschweine am Baum.

 

14.Februar

Nachdem ich mir noch ein Stück Wald westlich von Zdar angeschaut habe, habe mich auf den Weg gemacht um weiter südlich noch ein paar Abstecher in die Wälder machen zu können, bevor ich morgen bis nach Trebon fahre.

Ganz interessant war auch welche Möglichkeiten für Wildtiere bestehen die Autobahn zwischen Prag und Brno zu überwinden. Ich habe mir natürlich nur ein kleinen Ausschnitt ansehen können östlich von Jihalva. Es gibt zwar keine Grünbrücken, was bisher von allen mit denen ich gesprochen hatte bemängelt wurde. Es gibt aber Unterführungen die allerdings planungsmäßig ganz offensichtlich nicht wirklich für Wildtiere eingebunden worden sind. Es fehlt eine ausreichende Vegetation und vor allen Dingen eine Art Führungshilfe für Wildtiere um dieser Stelle geleitet zu werden. Nach meiner Einschätzung könnten ein paar Grünbrücken an den richtigen Stellen für Wildtiere sehr Hilfreich sein. Ein zweites Problem ist die Sicherheit auf der Autobahn, denn es gibt keine Zäune, wodurch Wildtiere zwar die Autobahn überqueren können aber mit einem hohen Risiko einen Unfall zu verursachen. Während eine Straße für Wildtiere überblickbar ist, ist eine Autobahn selbst für erfahrene Wildtiere extrem gefährlich, und für die Menschen ebenfalls.

Bei einem kurzen Waldgang habe ich Haare von einem gerissenen Reh gefunden. Das sind Hinweise auf die ich immer hoffe. Leider liegen die Haare schon zu lange hier, so dass ich erstens keinen Riss mehr finden konnte noch konnte ich mir ein Bild machen was hier geschehen ist. Möglich wäre ein Luchsriss, möglich wären aber auch andere Umstände, z.B. ein verletztes Tier (Unfallopfer) und Füchse, Marderhunde oder Hunde haben den Rest erledigt. Die Straße war nur ein paar 100m entfernt.

Ich habe es genossen heute Nacht wieder am Waldrand übernachten zu können.

15.Februar

Heute bin ich bis nach Trebon gefahren, ins nächste Forschungsgebiet. Einiges hat sich verändert. Es wurde noch hügeliger Anfangs bis ich in die Umgebung von Trebon kam. Hier befinde ich mich am tiefsten Punkt der Expedition um die 400-450m. Ich kann auch wieder verstehen worüber im Radio gesprochen wird, denn ich empfange die österreichischen Sender schon seit gestern.

Trebon selbst, mit hübscher Innenstadt, liegt in einem Schutzgebiet, mit sehr viele Seen und Feuchtgebieten. Ich habe kurz die Parkverwaltung besucht und nach zusätzlichen Informationen gefragt. Luchse oder gar Wölfe und Bären sind derzeit keine gemeldet. Allerdings sind diese Aussagen nur für das Schutzgebiet gültig. Das wird allerdings auch nicht unser Forschungsgebiet sein, sondern die das "Gebirge im Osten und Süden. Im Osten befindet sich Tschechisch Kanada etwa 750m hoch und im Süden an der Grenze nach Österreich geht es auf über 1000m hoch, für den 2.Teil in der kommenden Woche.

Auf den Bildern sieht man das auch hier die Wälder in der Umgebung von Studena immer in Sichtweite sind. So sah es fast auf der ganzen Fahrt von Trest bis Trebon aus.

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